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News und Projekte

Abteilung 8 - 10

BrieffreundscHHaften: Schreiben lernen durch lebensnahen Bezug

| Abteilung 8-10

Fünf andere Teach First Fellows aus Hamburg machen auch noch mit, denn schließlich wirken die Schülerinnen und Schüler im Wechselunterricht immer gelangweilter von der Flut an Arbeitsaufträgen und Arbeitsblättern. Gleichzeitig scheinen sie sich in der langen Homeschoolingphase nach etwas Abwechslung zu sehnen und soziale Kontakte sind in dieser Zeit rar gesät...

Schnell ist der Projektname gefunden: „BrieffreundscHHaften“. Denn am einfachsten und schnellsten kann die Aktion in der eigenen Stadt umgesetzt werden. So können die Jugendlichen Kontakte zu anderen Stadtteilen knüpfen und wir können zudem auf das Ziel eines persönlichen Treffens am Ende des Schuljahres hinarbeiten. Anfang April ging es also in insgesamt sieben Kursen an fünf Stadtteilschulen in den Jahrgängen 8 und 9 los! In der Stadtteilschule Wilhelmsburg machen sogar gleich drei Kurse mit. Perfekt können die BrieffreundscHHaften in der Profilklasse „Wir für Hamburg“ umgesetzt werden, denn hier geht es ja schließlich um Hamburg und den eigenen Stadtteil. Aber auch im Deutschübungs- und Förderunterricht ist das Projekt gut aufgehoben.

Im ersten Schritt erstellen die Schülerinnen und Schüler Steckbriefe auf einem Padlet, um gegenseitig u.a. von ihren Lieblingsdönersoßen, ihren Superkräften oder ihren Traumschulfächern zu erfahren. Das Interesse bei den Schülerinnen und Schülern ist schnell geweckt, als sie erfahren, dass sie sich im nächsten Schritt eigenständig Brieffreundinnen und -freunde auf den Padlets der anderen Schulen aussuchen dürfen: „Boa cool, die kommen aus Poppenbüttel, da habe ich auch früher gewohnt“ oder “Ich darf mir das selber aussuchen?? Wie cool!”. Außerdem motivieren Gemeinsamkeiten bei Hobbys oder dem Heimatland, sowie die Chance, das Padlet als Datingplattform zu nutzen. Dadurch sind Höchstleistungen in der Produktion von Texten, als auch im Gestalten der Briefe zu beobachten, die bisher im Unterricht noch nicht zum Vorschein kamen.

Dann werden die ersten Briefe geschrieben und die Jugendlichen lernen, wie ein Brief aufgebaut ist: Anrede, Datum, Grußformel, Verabschiedung etc.. Sie können das Gelernte im selben Moment mit Realitätsbezug anwenden. Dann geht es an den Inhalt des Briefes. “Herr Becker, was soll ich schreiben...?” Und wie beschriftet man eigentlich einen Briefumschlag? Gar nicht so einfach! Gleichzeitig vernehmen die Fellows erstaunte Rufe, als die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass die „80“ auf der Briefmarke für die Kosten steht. Herr Becker ist ganz begeistert von einem Schüler, der plötzlich ohne zu zögern einen freien Text schreibt, womit er sich sonst sehr schwertut und meist sogar die Deutschaufgaben komplett verweigert.

In der nächsten Stunde werden gespannt die Briefe geöffnet: „Wow, der ist richtig cool, Frau Astorga, mein Traumbrieffreund.“ Aber nicht alle Reaktionen sind positiv: „Oh Mann, Frau Astorga… Ich habe mir so viel Mühe beim Schreiben meines Briefes gegeben und jetzt bekomme ich nur so einen kurzen Brief zurück.“ Verständnisvoll erklärt Frau Astorga in der Situation, dass es manchmal so im Leben ist und man enttäuscht wird, dass das aber kein Grund zum Aufgeben ist.

Dann geht’s ans Antworten. Und plötzlich ist Rechtschreibung gar nicht so uninteressant: “Herr Becker, können Sie mal gucken, ob ich das so richtig geschrieben habe?", “Wie schreibt man eigentlich ‘Hobby’?”. Auch Schönschrift ist auf einmal cool und so werden Briefe vor und bis in die Pause hinein sorgfältig abgeschrieben und Blankopapier wird abgelehnt: "Nee, ich nehme lieber liniertes Papier, sonst schreibe ich so krakelig!"

Mittlerweile dürfen die ersten SuS ihre Briefe selbstständig in den Briefkasten werfen und übernehmen somit die Verantwortung für ihre BrieffreundscHHaft.

Mal schauen, wie das Projekt im nächsten Schuljahr weitergeführt werden kann und ob es nicht womöglich auch ins Ausland weiter ausgebaut wird. Eins ist auf jeden Fall klar: Es war eine sehr positive Erfahrung für alle Beteiligten - Fellows, Schülerinnen und Schüler und Kolleginnen und Kollegen zugleich.

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